Geld, Glück und der Wahnsinn dazwischen

Es gibt zwei Arten von Menschen: Die einen glauben, dass man mit harter Arbeit und klugen Entscheidungen reich wird. Die anderen wissen es besser. Morgan Housel, der in *The Psychology of Money* genau diesen Irrglauben entlarvt, hat eine einfache, aber bittere Wahrheit parat: Erfolg ist oft eine Frage des Zufalls. Das klingt erst einmal deprimierend, vor allem, wenn man sich in aller Frühe aus dem Bett quält, um in einem Meeting über die Farbe des neuen Firmenlogos zu debattieren. Doch bevor wir kollektiv die Arbeit niederlegen und unser Schicksal den Lottozahlen überlassen, lohnt sich ein genauerer Blick darauf, was Glück und Können bei finanziellen Entscheidungen wirklich bedeuten. 

Die Wirtschaftsnobelpreisträger Eugene Fama und Kenneth French haben sich genau dieser Frage in ihrer Studie „Luck versus Skill in the Cross-Section of Mutual Fund Returns“ gewidmet. Ihre Erkenntnis ist niederschmetternd für alle, die hoffen, mit cleverem Stock-Picking die Märkte zu schlagen. Die beiden Ökonomen haben untersucht, ob Fondsmanager tatsächlich besser sind als der Markt – oder ob ihre Erfolge schlicht auf Glück beruhen. Das Ergebnis: Der Großteil der aktiv gemanagten Fonds schafft es nicht einmal, nach Abzug der Kosten eine bessere Rendite als der Markt zu erzielen. Und die wenigen Fonds, die überdurchschnittlich abschneiden? Statistisch gesehen sind sie eher die Finanzwelt-Variante von Menschen, die zufällig in ein Vielfliegerprogramm hineingeboren wurden und sich jetzt für erfahrene Jetsetter halten. 

Das Problem ist nicht nur, dass die meisten Fondsmanager keinen nachhaltigen Vorteil gegenüber dem Markt haben. Es ist vielmehr so, dass selbst die wenigen, die besser abschneiden, dies oft nicht langfristig tun. Wer in einem Jahr ein Investment-Genie ist, kann im nächsten Jahr der Depp sein, der bei fallenden Kursen noch schnell nachgekauft hat. Die hohe Volatilität der Finanzmärkte sorgt dafür, dass es schwer ist, echtes Können von purem Glück zu unterscheiden. Und während einige Investoren mit klugen Analysen tatsächlich eine Überrendite erwirtschaften, tun das viele andere einfach nur zufällig. Man könnte es auch so sagen: Wenn genug Affen mit Dartpfeilen auf eine Börsenliste werfen, wird einer von ihnen Tesla treffen – aber das macht ihn noch lange nicht zum Finanzorakel. 

Nun stellt sich die Frage: Was bedeutet das für den Durchschnittsanleger, der nicht die Zeit (oder Lust) hat, jede Bilanz eines börsennotierten Unternehmens durchzuackern? Die Antwort ist ebenso einfach wie unsexy: Kosten sparen. Fama und French zeigen, dass die hohen Gebühren aktiver Fonds die ohnehin geringe Chance auf eine Outperformance weiter reduzieren. Das bedeutet: Selbst wenn ein Fondsmanager tatsächlich den Markt schlägt, dann oft nur, um sich die Gewinne als Gebühr einzustecken, während der Anleger mit einer Durchschnittsrendite dasteht. Die Lösung? Passives Investieren. Indexfonds sind günstiger, transparenter und schlagen langfristig den Großteil der aktiven Fonds. 

Das mag langweilig klingen, aber langweilig ist beim Investieren meistens gut. Jesse Livermore, einst einer der größten Spekulanten der Wall Street, lebte den Traum eines jeden Investmentcowboys – und verlor alles. Sein Schicksal erinnert an das, was Housel in seinem Buch betont: Reich werden und reich bleiben sind zwei völlig unterschiedliche Disziplinen. Wer einmal viel Geld hat, neigt dazu, sich für unfehlbar zu halten, Risiken zu übersehen und den eigenen Erfolg als Zeichen von Können zu interpretieren. Dabei ist es oft nur eine Frage der Zeit, bis der Markt zeigt, wer wirklich etwas draufhat – und wer einfach nur lange genug im Spiel war, um irgendwann zufällig eine Gewinnserie zu erleben. 

Ein weiteres Problem ist die Illusion des Wohlstands. Wer in einer Villa lebt und einen Ferrari fährt, mag für Außenstehende reich wirken. Doch in Wirklichkeit besitzt diese Person vielleicht nicht mehr Geld – sie hat es nur in Statussymbole umgewandelt. Housel bringt es auf den Punkt: „Vermögen ist das, was man nicht sieht.“ Wahre finanzielle Unabhängigkeit bedeutet nicht, mit Luxus zu protzen, sondern in der Lage zu sein, Entscheidungen zu treffen, ohne sich um Geld sorgen zu müssen. Es geht weniger darum, *wie viel* man hat, sondern *wie gut* man damit umgehen kann. 

Natürlich ist es verlockend zu glauben, man könne mit der richtigen Strategie den Markt schlagen. Schließlich gibt es einige Investoren, die das tatsächlich geschafft haben. Doch auch hier gilt: Für jeden Warren Buffett gibt es tausende Möchtegern-Buffetts, die am Ende mit leeren Händen dastehen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der Aktienmarkt sich ständig verändert. Früher dominierten Eisenbahngesellschaften die Börse, dann Industriekonzerne, heute sind es Technologieunternehmen. Wer glaubt, dass man einfach alte Erfolgsrezepte kopieren kann, wird oft eines Besseren belehrt. 

Letztlich bleibt eine einfache Wahrheit: Es gibt keinen perfekten Plan. Der Mensch, der mit 20 voller Ehrgeiz einen Finanzplan erstellt, ist mit 50 vielleicht jemand ganz anderes. Die Kunst besteht darin, flexibel zu bleiben – sowohl beim Investieren als auch im Leben. Wer stur an einer Strategie festhält, obwohl sich die Umstände längst geändert haben, verliert am Ende oft mehr, als er dachte. Vielleicht ist das die wichtigste Lektion aus der Psychologie des Geldes: Es geht nicht nur um Zahlen, sondern um Menschen. Und Menschen sind, wie Housel es sagt, nicht verrückt – sie sind einfach nur … Menschen.

PS: Einen herzlichen Dank an Morgan Housel, auf dessen Buch „Über die Psychologie des Geldes“ dieser Beitrag maßgeblich beruht.

P.P.S. Die genannte Studie von den Wirtschaftsnobelpreisträgern Eugene Fama und Kenneth French ist hier zu lesen: „Luck versus Skill in the Cross-Section of Mutual Fund Returns„.

Financial Poetry

Geld flüstert leise, doch schreit es laut,
wer ihm nur jagt, der hat nie vertraut.
Es kommt wie ein Strom und versickert im Sand,
bei manchem verweilt es, doch nie ohne Band.

Der Weise spart still, doch der Narr protzt hinaus,
er baut sich Paläste, doch lebt ohne Haus.
Denn Reichtum ist selten, was glänzt und sich zeigt,
oft ist er das, was im Schatten verweilt.

Das Schicksal verteilt seine Karten nach Lust,
manch einer gewinnt, doch oft nur aus Frust.
Wer klug investiert, bleibt bescheiden und schlicht,
denn Zinsen sind treu, doch Gier hält sie nicht.

Geld ist ein Diener, doch niemals ein Freund,
wer ihm zu viel traut, hat den Sinn schon versäumt.
Denn wahre Balance liegt nicht im Gewinn,
sondern darin, dass ich mit wenig noch bin.

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