Versicherung als Sparprodukt – nur wenn Sie 120 werden

Versicherungen sind eine faszinierende Spezies des Finanzwesens. Sie tauchen auf, wenn der Mensch sein tief verwurzeltes Bedürfnis nach Sicherheit stillen will, und verschwinden oft genau dann, wenn man sie am dringendsten braucht. Doch eines sollte jedem klar sein: Eine Versicherung ist kein Sparprodukt. Wer sich von seinem Versicherungsvertreter mit glänzenden Augen erzählen lässt, dass man hier Vermögen aufbaut, der glaubt vermutlich auch noch an den Weihnachtsmann oder daran, dass die Deutsche Bahn ihre Fahrpläne als verbindliche Zusage versteht.

Der Grundgedanke einer Versicherung ist simpel: Man zahlt Geld ein, um sich gegen existenzielle Risiken abzusichern. Das klingt vernünftig, ist es auch. Niemand wird ernsthaft bestreiten, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine private Haftpflichtversicherung essenziell sind. Doch sobald das Wörtchen „Kapital“ ins Spiel kommt, wird es gefährlich. Kapitalbildende Lebensversicherungen, fondsgebundene Rentenversicherungen und all ihre kostspieligen Verwandten sind Finanzprodukte, die eines ganz sicher tun: dem Versicherer ein angenehmes Leben ermöglichen. Für den Kunden bleibt meist nicht mehr als das Gefühl, etwas Vernünftiges getan zu haben – bis er nach Jahren mit dem Taschenrechner überprüft, was er da wirklich „angespart“ hat. Die Erkenntnis kommt oft schmerzhaft: Hätte man das Geld stattdessen in einen Sparstrumpf gestopft, wäre die Rendite vermutlich vergleichbar gewesen – allerdings ohne Abschlussgebühr, horrende Verwaltungskosten und eine Rentabilitätsberechnung, die einen 120-jährigen Lebensabend voraussetzt.

Es gibt kaum ein Finanzprodukt, das so hartnäckig überlebt hat wie die kapitalbildende Versicherung. Verbraucherschützer, Finanzexperten und Mathematiker mit einem Funken Ehrlichkeit sind sich einig: Das lohnt sich nicht. Doch Jahr für Jahr werden Millionen neuer Verträge abgeschlossen, weil Versicherungen ihr Geschäftsmodell perfektioniert haben. Der Trick ist einfach: Man verbindet ein zutiefst menschliches Bedürfnis – die Angst vor einem unsicheren Alter – mit einer vermeintlich einfachen Lösung. Kein Sparer will sich mit ETFs, Ausschüttungen und Rebalancing auseinandersetzen, wenn er einfach monatlich in eine Police einzahlen kann, die ihm eine sorgenfreie Rente verspricht. Dass diese Rente dann oft lächerlich gering ausfällt und sich erst dann rentiert, wenn man die 100-Jahre-Marke locker überschreitet, steht im Kleingedruckten. Und seien wir ehrlich: Wer liest das schon?

Der eigentliche Hohn kommt dann mit der Verrentung. Stellen Sie sich vor, Sie haben jahrzehntelang brav eingezahlt und freuen sich auf die „wohlverdiente Erntephase“. Doch statt eines üppigen Geldflusses erhalten Sie eine monatliche Rente, die selbst den inflationären Kaffeepreis in einem deutschen Bahnhof nicht dauerhaft decken könnte. Ihr Kapital? Schon lange in den Tiefen der Versicherungsbilanz verschwunden. Die Sterblichkeitsgewinne? Bleiben natürlich beim Versicherer. Denn wenn Sie sich nicht für ein Langlebigkeitswunder halten oder eine genetische Veranlagung für ein biblisches Alter haben, wird Ihre Versicherung an Ihnen verdienen, nicht umgekehrt.

Was also tun? Versicherungen dort einsetzen, wo sie hingehören: als Schutz vor echten Risiken. Berufsunfähigkeit, Haftpflicht, Krankenversicherung – das sind die sinnvollen Dinge. Vermögensaufbau hingegen hat mit Versicherungen so viel zu tun wie eine Diät mit einem All-you-can-eat-Buffet. Wer sein Geld für das Alter sinnvoll anlegen will, kommt an kostengünstigen ETFs oder breit gestreuten Sachwertanlagen nicht vorbei. Und wenn Sie dann doch mit 90 noch topfit sind? Dann genießen Sie das Leben – mit einem echten Vermögen, nicht mit einer Almosenrente, die nur funktioniert, wenn man sich mit 102 noch fit und gesund für den nächsten Marathon anmeldet.

Versicherung klingt oft famos,
doch meistens ist der Deal grandios-fadlos.
Man spart nicht, nein, man zahlt hinein,
und hofft am Ende reich zu sein.

Die Rente kommt, doch viel zu klein,
man müsste schon ein Hundertjähr’ger sein.
Die Kosten fressen still und leis,
vom einstigen Traum bleibt nur der Preis.

Drum nimm dein Geld, sei klug bedacht,
und leg es an mit Sinn und Macht.
So wächst dein Wohlstand Jahr für Jahr,
und nicht für andre – wunderbar!

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